Die Eberesche oder Vogelbeere
Pflanzenporträt im Herbst
Im Herbst leuchten uns an vielen Wegrändern und Böschungen im Schwarzwald kleine bis mittelgroße Bäume mit auffällig orangeroten Beerendolden entgegen: die Eberesche, auch Vogelbeere genannt. Im Frühling fällt der Baum mit seinen duftenden weißen Blütendolden auf, die von unzähligen Insekten wie Wildbienen, Käfern, Fliegen und Schmetterlingen angeflogen werden.
Mit seinen gefiederten Blättern mit gezähntem Blattrand ist der Baum auch ohne Blüten und Früchte sehr gut zu erkennen. Im späteren Herbst färben sich die Blätter braun bis kräftig rot. Die Rinde ist grau und glatt.
Der Name Vogelbeere rührt von früher her. Auf lateinisch heißt sie „Sorbus aucuparia“. Sorbus heißt „Mehlbeere“ und sagt schon alles über die Konsistenz der Beeren aus. Aucuparia kann mit „Vögel fangen“ übersetzt werden. Tatsächlich wurden früher die Beeren als Lockmittel zum Vogelfang benutzt. Der Name Eberesche stammt wiederum von „Aberesche“ ab, was „unechte Esche“ bedeutet, weil die Blätter denen der Esche ähneln.
Heute ist der Name Vogelbeere auf positive Weise Programm: Mit ihren Beeren ist sie ein sehr wichtiger Nahrungsbaum im Herbst und Winter für rund 60 Vogelarten, darunter Amseln, Rotkehlchen und Spechte als heimische Vögel oder Seidenschwänze auf dem Weg ins Winterquartier. Eichhörnchen und andere Kleinsäuger mögen die Beeren übrigens auch. Und für einige Vögel wie Mönchsgrasmücke und Neuntöter ist die Vogelbeere ein beliebter Nistbaum.
Sind die Beeren für Menschen essbar? Roh schmecken sie ziemlich sauer und ziehen einem im Mund alles zusammen. Sie sind nicht giftig, aber ziemlich unbekömmlich, sie enthalten viel Vitamin C, Fruchtsäuren, Bitterstoffe und Carotine. In der traditionellen Heilkunde wurden sie bei Lymphknotenschwellung und Heiserkeit angewendet. Durch Kochen werden die Beeren bekömmlich und können zu leckeren Konfitüren und Gelees verarbeitet werden. Mit Äpfeln geben sie eine sehr schmackhafte Kombination ab.
Aber nicht vergessen: Die Beeren nicht in Schutzgebieten sammeln und genug für die Vögel dalassen.
Anne Wieping